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Gepostet on Okt 4, 2013

Bahnbrechender Erfolg für die weltweite Schuppenflechte-Selbsthilfe


WHO-Resolution könnte den Weg für Gesundheitsprogramme frei machen


GENF/LEIPZIG – Die medizinische Versorgung chronisch Hautkranker in der gesetzlichen Krankenversicherung ist seit vielen Jahren unterfinanziert. Sie gilt als Teil der in der Leistungsmenge streng budgetierten „Grundversorgung“. Um so wichtiger ist für betroffene Patienten wie ihre Ärzte, eine Initiative, diese Erkrankung von Seiten der Weltgesundheitsorganisation stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses zu rücken.

Mit tatkräftiger Unterstützung aller 50 Mitgliedsländer – einschließlich Deutschlands – ist es der Selbsthilfe-Dachorganisation der Psoriaiskranken – der International Federation of Psoriasis Associations (IFPA) – gelungen, das Executiveboard der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Annahme einer Resolution zu bewegen, die im nächsten Jahr der Vollversammlung zur Verabschiedung vorgelegt werden soll.

„Mit dieser Resolution wird die Psoriasis auf eine Stufe mit den bisher von der WHO vordringlich beachteten vier anderen großen, nicht infektiösen Volkskrankheiten Atemwegserkrankungen, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs gestellt“, erläutert Prof. Joachim Barth, der als Dermatologe, diese Initiative auf deutscher Seite maßgeblich unterstützt hat. „Nach Annahme durch die Vollversammlung besteht die Chance, auf nationaler Ebene und damit auch in Deutschland Gesundheitsprogramme zur Bekämpfung der Erkrankung zu installieren wie es beispielsweise bereits auf den Philippinen der Fall ist,“ so der in Borna bei Leipzig lebende Schuppenflechte-Experte.

Im Wortlaut


Menschen mit Psoriasis tragen ein erhöhtes Risiko


Das Executive Board der WHO empfiehlt nach Kenntnisnahme des Berichtes über die Psoriasis der 67. WHO-Vollversammlung die Annahme der folgenden Resolution :

Die 67. WHO-Vollversammlung möge…

  • bezug nehmend auf alle relevanten Resolutionen und Entscheidungen der Vollversammlung über Prävention und Kontrolle nicht infektiöser Erkrankungen und unter Betonung der für alle Mitgliedsländer bedeutsamen kontinuierlichen Aufdeckung von Risikofaktoren für diese Krankheiten entsprechend dem globalen WHO-Aktionsplan 2013 – 2020 zur Kontrolle und Prävention nicht infektiöser Erkrankungen,
  • in Erkenntnis der dringenden Notwendigkeit einer Fortführung multinationaler Anstrengungen zur Förderung und Verbesserung der menschlichen Gesundheit, für Zugang zu Behandlungen und zur gesundheitsfördernden Aufklärung,
  • in der Erkenntnis, daß Psoriasis eine chronische, nicht infektiöse, schmerzhafte, entstellende, behindernde, nicht heilbare Erkrankung ist,
  • in Erkenntnis, daß weltweit viele Menschen mit Psoriasis neben Schmerzen, Juckreiz und Blutungen soziale und berufliche Stigmatisierung und Diskriminierung erfahren,
  • unter Betonung, daß Menschen mit Psoriasis ein erhöhtes Risiko für eine Reihe von Begleitkrankheiten insbesondere cardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Adipositas, Morbus Crohn, Herzattacken, Colitis ulcerosa, metabolisches Syndrom, Schlaganfall und Lebererkrankungen haben,
  • unter Betonung , daß bis zu 42 % der Menschen mit Psoriasis auch eine Psoriasisarthritis aufweisen, die Schmerzen, Versteifung und Schwellung der Gelenke hervorruft und zu permanenter Entstellung und Behinderung führen kann,
  • unter Betonung, daß weltweit zu viele Menschen unnötigerweise infolge falscher oder verzögerter Diagnosestellung, inadequater Behandlung oder ungenügendem Zugang zur Behandlung an Psoriasis leiden,
  • in Anerkennung der Bemühungen der Interessenvertreter , insbesondere deren Aktivitäten, die alljährlich am 29. Oktober in vielen Ländern stattfinden, um die Aufmerksamkeit auf die Erkrankung einschließlich der mit ihr verbundenen Stigmatisierung zu lenken,
  • unter Zustimmung zu den Erkenntnissen des Exekutiveboards über die Psoriasis auf dessen 133. Sitzung,
  • … die Mitgliederstaaten auffordern, sich weiter für Unterstützungsmaßnahmen zur Aufmerksamkeitsförderung für die Erkrankung Psoriasis einzusetzen, gegen die Stigmatisierung der Menschen mit Psoriasis zu kämpfen, insbesondere auch durch Aktivitäten, die alljährlich am 29. Oktober in den Mitgliedsstaaten durchgeführt werden,
  • … den Generaldirektor ersuchen…
  • … die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Psoriasis für die menschliche Gesundheit zu lenken, einen weltweiten Bericht über Psoriasis einschließlich Inzidenz und Prävalenz zu erstellen, die Notwendigkeit weiterer Forschung über die Psoriasis zu unterstreichen und einen erfolgreichen Ansatz zur Integration der Psoriasisbetreuung in die existierenden Maßnahmen für nicht infektiöse Erkrankungen unter Einbezug der Interessenvertreter , insbesondere auch der politischen Entscheidungsträger, bis Ende 2015 zu erarbeiten,
  • … Informationen über Psoriasis-Diagnostik, -behandlung und –betreuung in die WHO-Webseite aufzunehmen mit dem Ziel, die öffentliche Aufmerksamkeit über die Psoriasis und ihre verschiedenen Risikofaktoren zu erhöhen und damit eine eine Plattform für die Aufklärung über die Erkrankung und für ein besseres Verständnis der Psoriasisproblematik zu bieten.