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29. Oktober: Welt-Psoriasistag 2013


Weltweite Forderung: Gute Versorgung – für jeden!




Berlin – Die richtige, gezielte und schnelle Behandlung von Psoriasis (Schuppenflechte) ist für viele der weltweit 125 Millionen Betroffenen nicht selbstverständlich. Am 29. Oktober steht der Welt-Psoriasistag 2013 in Deutschland deshalb unter dem Motto: „Psoriasis: Gute Versorgung für jeden“. In über 40 weiteren Ländern weltweit machen an diesem Tag Psoriasis-Erkrankte und ihre Unterstützer auf die vielfach kritische Versorgungslage aufmerksam.

Viele Psoriasis-Patienten sind mit der therapeutischen Behandlung ihrer Erkrankung unzufrieden – auch in Europa. Rund 24 Prozent der Erkrankten gehen sogar überhaupt nicht mehr zum Arzt, schätzen Experten. Mangelnde Kenntnis über das Ausmaß der Erkrankung und deren therapeutische Möglichkeiten sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten sorgen immer wieder für einen unnötig langen Leidensweg.
In Europa sind rund 15 Millionen Menschen an Psoriasis erkrankt, in Deutschland sind es etwa zwei Millionen. Chronisch, das heißt: ein Leben lang. Rund 2,5 Prozent der Bevölkerung sind von dieser entzündlichen Hauterkrankung betroffen, gleich welcher Hautfarbe. heftiges Jucken bis hin zum Schmerz macht das Leben in den wiederkehrenden Krankheitsschüben oft unerträglich. Schuppende, gerötete stellenweise blutige Hautareale sind unübersehbare, stigmatisierende Begleiterscheinungen.
Die zeitweise entstellenden Hautveränderungen sind entgegen schier unausrottbarer Vorurteile nicht ansteckend, es handelt sich nicht um Aussatz.
Dabei könnte vielen Patienten geholfen werden, doch die meisten werden immer noch zu spät, falsch oder nicht ausreichend therapiert. „Die Unterversorgung von schwer an Psoriasis erkrankten Menschen in Deutschland ist nicht weiter hinnehmbar“, unterstreicht Hans-Detlev Kunz vom Deutschen Psoriasis Bund aus aktuellem Anlass. „Dafür sind Patienten nicht verantwortlich.“
Etwa 70 Prozent leiden zudem an unentdeckten Begleiterkrankungen, warnen deutsche Hautärzte: „Schuppenflechte ist nicht ausschließlich eine Hautkrankheit, sondern eine entzündliche Systemerkrankung, die gleichzeitig zu Erkrankungen am Herz, sowie zu Diabetes und Schlaganfall führen kann“, erläutert Professor Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie an der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf.
So zeigten Studien, dass ein 30-jähriger Patient mit schwerer Schuppenflechte ein dreifach erhöhtes Risiko hat, einen Herzinfarkt zu erleiden. Schon Kinder mit Schuppenflechte entwickeln doppelt so oft wie ihre gesunden Altersgenossen eine Fettsucht oder Bluthochdruck, jeder vierte Psoriasispatient in seinem Leben eine Arthritis. „Diese Zusammenhänge sind Ärzten noch zu wenig bekannt“, bedauert Dermatologe Augustin. Darum bemüht sich die am Welt-Psoriasistag beteiligte Pso-Netz-Initiative um eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Disziplinen insbesondere mit Hausärzten.
Bereits im Jahr 2010 haben Dermatologen als die für die Behandlung dieser Erkrankung zuständigen Experten „Nationale Versorgungsziele“ formuliert. Bis zum Jahr 2015 soll die Behandlung von betroffenen Erwachsenen und Kindern deutlich verbessert werden. Um dieses Konzept zu unterstützen, wurden über 25 Netzwerke der auf die Schuppenflechtebehandlung spezialisierten Dermatologen gegründet. Neue Wirkstoffe und Medikamente, wie Systemtherapeutika und Biologika, stehen zur Verfügung und werden weiter entwickelt. Zu Therapieverläufen sowie zur Versorgungsqualität laufen Patientenstudien.
„Wir haben in den letzten Jahren schon einiges verbessern können,“ erläutert Dr. Ralph von Kiedrowski vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. „Zunehmend werden mehr Patienten schneller und besser behandelt und es zeigt sich, dass die Lebensqualität von Menschen, die mit Schuppenflechte leben müssen, deutlich gesteigert werden kann, wenn sie richtig versorgt werden“ unterstreicht der Psoriasis-Experte.
Deutschland gilt in der medizinischen Behandlung europaweit als Vorbild. 19 europäische Länder wollen die deutschen, international anerkannten Therapie-Standards übernehmen. Dennoch ist auch in Deutschland nach Schätzungen von Experten immer noch jeder zweite Patient mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis nicht angemessen versorgt.
„Wir müssen die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, so effektiv wie möglich einsetzen“, fordert Versorgungsforscher Augustin, der als Vorsitzender der European Expert Working Group for Healthcare in Psoriasis (EEWGHP) auch von der Gesundheitspolitik Unterstützung.
Ende 2013 bringt die EEWGHP gemeinsam mit dem Europäischen Dachverband für Psoriasis-Bewegungen (EUROPSO) einen Initiativantrag bei der EU-Kommission in Brüssel ein, um auf das Versorgungsmanko aufmerksam zu machen. Im Frühjahr 2014 soll über einen Antrag, die Erkrankung Psoriasis als Aktionstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu etablieren, von der WHO in Genf entschieden werden.
In Deutschland ziehen das PsoNet – das ist der Zusammenschluss sämtlicher regionalen Psoriasis-Netzwerke – , der Berufsverband der deutschen Dermatologen (BVDD), die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und der Deutsche Psoriasis Bund (DPB) als Selbsthilfeorganisation an einem Strang, wenn es gilt für die Anliegen des Welt-Psoriasistages 2013 zu werben. Gemeinsam veranstalten sie am 29. Oktober eine zentrale Pressekonferenz in Berlin. Bundesweit klären zudem Kliniken, niedergelassene Dermatologen und Selbsthilfegruppen mit Vorträgen und Info-Veranstaltungen über Schuppenflechte auf. Sie berichten über aktuelle Entwicklungen in der Psoriasis-Forschung, über medizinische Behandlungsmöglichkeiten und Lösungsansätze, mit dieser Erkrankung besser zurechtzukommen.